Chrom und Zink - essentiell für Diabetiker
Zwei Spurenelemente, die Diabetikern gerade noch
gefehlt haben
S.-D. Müller, Dr. V. Steudle
In der Bundesrepublik Deutschland leben nach Angaben
der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) momentan circa 4-5 Mio.
Diabetiker (5 % Typ 1 Diabetiker - insulinabhängig, 95 % Typ
2 Diabetiker - insulinunabhängig), bei steigender Tendenz.
Diabetes mellitus kommt in einem besonders hohen Prozentsatz (30
- 50 %) bei Patienten unter Nierenersatztherapieverfahren vor.
Die Kardinalsymptome des Diabetes mellitus sind insbesondere gekennzeichnet
durch Hyperglykämie (erhöhte Blutglucosewerte), einer
gestörten Glucosetoleranz und einer Insulinresistenz der Glucosehomöostase.
Bei Diabetikern liegt entweder ein Insulinmangel (Typ 1) und/oder
eine Insulinresistenz (Typ 2) vor.
Spurenelemente, wie Zink und Chrom, können
zwar keinen Diabetiker heilen oder alleinig therapieren. Trotzdem
spielen die lebensnotwendigen Spurenelemente Chrom und Zink eine
entscheidende, adjuvante Rolle bei der Blutzuckerregulation, der
Insulinsekretion und Insulinwirkung.
Es ist bekannt, daß Chrom und möglicherweise
eine chromhaltige, in der Nahrung vorkommende -als Glucosetoleranzfaktor
bezeichnete Substanz (enthaltend Aminosäuren und Nicotinsäure)
- eine signifikante Beziehung zum Glucosestoffwechsel haben (1).
Im Tierversuch finden sich eine verminderte Glucosetoleranz
und ein um 50 % reduzierter Einbau von Glucose in Muskel- und Leberglykogen
bei Chrommangel. Chrom muss offenbar zugegen sein , damit Insulin
seine Wirkung am Insulinrezeptor der Zelle entfalten kann. In Studien
konnte die Blutglucoseeinstellung und der Langzeitparameter HBA1c
bei erwachsenen Diabetikern durch tägliche Gabe von 180-1000 µg
Chrom verbessert werden (1).
Den täglichen Chrombedarf für gesunde
Erwachsene gibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung
(DGE) mit 50-200 µg an. Die tatsächliche Zufuhr, z. B. in
den USA, liegt mit durchschnittlich 50 µg an der unteren Grenze
dieser Empfehlungen. Die DGE schließt in ihren Empfehlungen
für die Nährstoffzufuhr von 1991 darauf, daß bei
gestörter Glucosetoleranz eine deutliche Verbesserung durch
Chromzulage erzielt werden kann (2). Der Bedarf an Insulin wird
durch eine optimale Chromversorgung deutlich verringert (5). Dies
trifft für alle Diabetestypen zu. Die Insulin-Rezeptor-Bindung
und zelluläre Glucoseabsorption in die Zellen ist unter Chromgabe
signifikant verbessert. Da die Chromversorgung über Nahrungsmittel
in Deutschland suboptimal ist, ist eine Chromsupplementation über
Chrompräparate (Tabletten) sinnvoll.
Das ebenfalls essentielle Spurenelement Zink ist
vielen Diabetikern als Komplexbildner in zinkverzögerten Insulinen
und als Bestandteil der Speicherform des Insulins in den ß-Zellen
der Langerhans'schen Inseln des Pankreas bekannt. Zink verbessert
die Insulinspeicherung bei Typ 2 Diabetikern. Zinkmangel hemmt
die Insulinaktivität und die Insulinrezeptorbildung.
Der Zinkbedarf beträgt laut DGE im Erwachsenenalter
12 mg für Frauen und 15 mg für Männer täglich.
Die tägliche durchschnittliche Zinkaufnahme über Nahrungsmittel
liegt unter dieser Empfehlung. Diabetiker gehören zu den Risikogruppen
der Zinkversorgung. Die Urin-Zink-Verluste sind bei Diabetikern
deutlich gesteigert. Dies trifft insbesondere auf Diabetiker zu,
die unter diabetischer Nephropathie leiden. In einer Studie von
Mc Nair und Mitarbeiter findet sich eine Urin-Zink-Ausscheidung,
die bei Diabetikern im Vergleich zu Gesunden um 50-150 % gesteigert
ist (3). Bei Glucosurie ist der Zinkverlust noch stärker gesteigert
und kann das zwei- bis dreifache der Norm überschreiten. Bei
61 Typ 2 - Diabetikern fanden Perger und Mitarbeiter nach 6 Wochen
unter Zinkgabe (2 x 6,3 mg Zink/Tag) eine signifikante Senkung
der durchschnittlichen Nüchternblutzuckerwerte von 252 auf
112 mg/dl (4) (Abb. 1).
In anderen Studien fällt sowohl der Nüchtern-
als auch der postprandiale (nach einer Mahlzeit)
Blutglucosespiegel unter Zinksupplementation deutlich ab.
Daher scheint
die Einnahme von 15-30 mg Zink täglich über
Zinkpräparate (Tabletten) sinnvoll. Zink wird aus organischen
Verbindungen, wie Zinkgluconat, -aspartat, -histidinat oder -orotat
deutlich besser und neben-wirkungsfreier resorbiert als aus anorganischen
(z. B. Zinksulfat, Zinkchlorid). Die Zinksupplementierung sollte
daher mit organischen Zinkverbindungen, wie z. B. Zinkglukonat
erfolgen.
Zudem leiden Diabetiker häufig unter dem
sogenannten "diabetischen Fuß" (Gangrän), resultierend
aus schlechten Blutglucosewerten, peripherer Verschlusskrankheit
und diabetischer Polyneuropathie.
In weiteren Studien konnte bewiesen werden, daß sich
diese Symptome unter Zinksupplementation deutlich bessern. Dies
ist unter anderem auf den immunmodulatorischen bzw. entzündungshemmenden
Effekt von Zink zurückzuführen (praktische Anwendung
von Zinksalbe).
Eine Zink- und Chromsupplementation ist daher
eine sinnvolle adjuvante Therapie des Diabetes mellitus. Die beiden
Spurenelemente verbessern die Blutzuckereinstellung signifikant.
Dies trifft insbesondere für Patienten mit Insulinresistenz
(Typ 2-Diabetiker) zu, da Zink und Chrom die Insulinrezeptoren
positiv beeinflussen.
Zinkwirkungen bei Diabetikern
( =
erhöht, =
vermindert)
1. Insulinsynthese der beta-Zellen der Langerhans“schen
Inseln
2. Insulinsekretion aus den beta-Zellen
3.
Insulinspeicherkapazität des endokrinen
Pankreas 
4.
Insulinaktivität 
5.
Rezeptorsensitivität gegenüber Insulin 
6. Rezeptorfunktion
7. Insulinresistenz
8. Glukoseaufnahme in die Zelle
Ergebnis: Blutglucosespiegel und
Insulinwirkung 
|
Wirkungsansätze einer Zink- / Chromgabe
bei Typ 1- und Typ 2-Diabetikern
|
Typ 1
|
Typ 2 |
1. Insulinsynthese der beta-Zellen der Langerhans“schen
Inseln  |
- |
+ |
2. Insulinsekretion aus den beta-Zellen |
- |
+ |
3. Insulinspeicherkapazität des endokrinen
Pankreas |
- |
+ |
4. Insulinaktivität |
- |
+ |
5. Rezeptorsensitivität gegenüber Insulin  |
+ |
+ |
6. Rezeptorfunktion  |
+ |
+ |
7. Insulinresistenz  |
+ |
+ |
8. Glukoseaufnahme in die Zelle |
+ |
+ |
Blutglucosespiegel und
Insulinwirkung |
+ |
+ |
Effekte einer zusätzlichen Zink- / Chromzufuhr
treten erst nach ca. 3-6 Wochen regelmäßiger Einnahme
ein. Sinnvoll ist die Einnahme eines Kombinationspräparates
postprandial morgens eine Stunde nach dem Frühstück und
/ oder abends vor dem Schlafengehen. In Deutschland gibt es nur
ein Kombinationspräparat - erhältlich in Apotheken unter
dem Handelsnamen Diazink-Tabletten - mit 15 mg Zink und
200 µg Chrom / Tablette (Zinkglukonat + Chrom-III-chlorid).
Literatur:
(1) Kasper, H.: Ernährungsmedizin und Diätetik.
8. Aufl., 61, Verlag Urban und Schwarzenberg, München 1996
(2) Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Empfehlungen
für die Nährstoffzufuhr. 5. Überarb. 1991, Umschau
Verlag, Frankfurt 1991.
(3) McNair, P., Kiilerich, S., Christiansen, C.,Christensen,
M.S., Madsbad, S., Transbol I.: Hyperzincuria in insulin treated
diabetes mellitus - its relation to glucose homeostasis and insulin
administration. Clin. Chim. Acta, 112, 343-348, 1981.
(4) Perger, F.: Zinkmangel und Störungen in Immunreaktionen
und bei Diabetes. Zeitschr. f. Erfahrungsheilkunde, 5, 285-290,
1987.
(5) Anderson, R. A.:Chromium, glucose tolerance, and diabetes.
Biol. Trace Elem.. Res., 32, 19-24, 1992.
Verfasser:
Sven-David Müller- Leiter der Informationsstelle Dr.
Volker Steudle - wissenschaftlicher Leiter
Klinikum der RWTH Aachen Verein zur Förderung
der gesunden Ernährung Diätassistent und Diabetesberater
DDG und Diätetik (VFED e.V.)
Pauwelstr. 30 Giessener Str.
115
52074 Aachen 35440 Linden
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